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Die folgende Fechsung entstand durch unseren Rt Aspermont von SOLL und HABEN und wurde in der Sippung am 21. Ostermond a.U.158 durch unseren Rt Riebel der fetzige Päda(l)goge vorgetragen. Jede über die persönliche Kenntnisnahme hinausgehende Verwendung dieser Zeilen ist nur mit ausdrücklicher und vorab einzuholender schriftlicher Zustimmung durch den Verfasser möglich.

Die letzten Kriegstage vom 22. April bis 1. Mai 1945 in Bregenz

Schon als Jugendlicher mit etwa 12 Jahren haben mich die näheren Umstände des Kriegsendes in Bregenz ganz besonders interessiert. Dies hauptsächlich deshalb, weil die eisenbeschlagene Türe zwischen Stiegenhaus und Dachboden von einer Unzahl größerer Löcher durchsiebt war, ebenso wie der Riemenfußboden des Dachbodens. Meine Mutter hat mir dann erzählt, sie habe zwar während des ganzen Krieges im Elternhaus in der Ölrainstrasse gewohnt, sei aber Mitte April 1945 mit mir zu Schwester und Vater nach Schwarzenberg gezogen, die dort das Gasthaus „Krone“ besaßen, das damals voller Flüchtlinge aus dem Altreich war. Mein Vater war als Regimegegner schon 1939 zur Kriegsmarine eingezogen worden und kehrte erst im Oktober 1945 aus britischer Kriegsgefangenschaft zurück.

Da tagelange Übergabeverhandlungen mit dem IKRK gescheitert waren begann in den frühen Morgenstunden des 1. Mai 1945 stundenlanger Artilleriebeschuss von Lindau her und gleichzeitig ein Tieffliegerangriff. Speziell durch die Einschläge der Bordmaschinengewehre wurde das Hausdach restlos zerstört, darauf gingen auch die Einschusslöcher in der Dachbodentüre und im Riemenfußboden des Dachbodens zurück.

Durch dieses mein Interesse schon als Jugendlicher an den Ereignissen in und um Bregenz in den letzten Kriegstagen Ende April – Mai 1945 bin ich diesem Stück Heimatgeschichte in den letzten Wochen mit Interesse nachgegangen.

Meine Fechsung, die hauptsächlich zwei überraschende schlaraffische Aspekte herausarbeitet, stützt sich ausschließlich auf das Buch „Festung Vorarlberg“, 3. Auflage, Verlag J.N. Teutsch (1987) von Monsignore Georg Schelling, ergänzt von Dr. Meinrad Pichler, Zusammenstellung Bild- und Dokumentationsmaterial von Emmerich Gmeiner (ehemals Stadtarchivar von Bregenz und bis a.U. 137/138 Knappe 168 in Castrum Brigantium). Dieses Buch habe ich großteils wörtlich zitiert, meine Anmerkungen dazu sind farblich abgesetzt.

Erst am Sonntag, den 22. April mittags war Obstlt. Reicherter, der als radikaler Nazi galt, als neuer Kampf – und Stadtkommandant von Bregenz bestellt worden. Von der Person des Stadtkommandanten konnte das Schicksal von Bregenz und von ganz Vorarlberg abhängen.

Wie in anderen Orten Vorarlbergs auch gab es auch in Bregenz eine Widerstandsbewegung, die aus einem sozialdemokratischen und einem christlichsozialen Flügel bestand. Die Widerstandsbewegung war sehr bestrebt, Obstlt. Reicherter loszuwerden. Noch am Sonntagabend sprach ein Führer der linksgerichteten Widerstandsbewegung bei Fabrikant Gert Huber (Firma Sannwald) vor, ob er vielleicht Reicherter bewegen könnte, die Stadt ohne Verteidigung zu übergeben. Gert Huber riet zur Vorsicht und schlug vor zu versuchen, beim Generalkommando in Innsbruck eine Abberufung oder auch eine Beförderung von Reicherter zu erwirken. Gert Huber überlegte auch, Major Dr. Guido Tarabochia (einen aus Bregenz stammenden Rechtsanwalt und Nazigegner und Verwandten von General Feurstein und als Patient im Lazarett Riedenburg) ins Vertrauen zu ziehen.

Am folgenden Montag sprach ein Führer des christlichsozialen Flügels der Widerstandsbewegung bei Gert Huber vor mit dem gleichen Ansinnen wie am Vorabend, aber der Ergänzung, dass Dr. Tarabochia gefragt werden sollte, ob er bereit wäre, den Posten des Stadtkommandanten zu übernehmen, wenn er ihm übertragen werden sollte. Dr. Tarabochia hielt dies im Hinblick auf seine bekannte Gegnerschaft zum Regime für ausgeschlossen. Dr. Tarabochia erklärte aber seine Bereitschaft, an den Bemühungen für eine kampflose Übergabe der Stadt Bregenz tatkräftig mitzuwirken, was er in den folgenden Tagen und Wochen auch unter Beweis stellte.

Aus dieser Schilderung ergibt sich, dass Gert Huber in diesen für Bregenz und Vorarlberg so wichtigen letzten Kriegstagen eine von beiden Fraktionen der Widerstandsbewegung und den weiteren um die kampflose Übergabe der Stadt kämpfenden Personen als Vertrauensperson allseits anerkannt war und ihm im weiteren Verlauf auch eine absolute Schlüsselrolle zukommen sollte.

In Bregenz und Lochau gab es Mitte April 7 Lazarette (mit den Teillazaretten Riedenburg, Marienberg, Mehrerau, Oberschule, “Hotel Europe“, Gallusstift und Kaserne) mit etwa 6.000 – 8.000 Verwundeten, davon etwa 2.000 nicht transportfähig.

Da am 22. April auch für Bregenz die Lage sehr brenzlig geworden war, suchten die für die Lazarette zuständigen Ärzte und die für die Zivilbevölkerung verantwortlichen Verwaltungsstellen Schutzmaßnahmen zu erwirken. Der schweizerische Konsul Bitz hatte im Einvernehmen mit der Widerstandsbewegung bereits mit dem IKRK in Genf Kontakt aufgenommen mit dem Ziel, die Vorarlberger Lazarette unter den Schutz des Roten Kreuzes zu stellen. Der Präsident des IKRK in Genf, Prof. Burckhart, sagte die Unterschutzstellung der Lazarette in Bregenz und Feldkirch zu und kündigte an, sofort offizielle Vertreter des IKRK nach Bregenz zu entsenden.

Es folgten zahlreiche Besprechungen und Sitzungen, so am 24.April, um die Zustimmung der Wehrmachtsstellen zur Aufnahme von Verhandlungen mit dem IKRK zur Anerkennung von Bregenz und Feldkirch als „offene Städte“, die nicht verteidigt werden sollten, zu erreichen. Nach mehrfachen Anläufen gelang es dem stellvertretenden Leiter des Wehrmeldeamtes, Obstlt. Lang, die Zustimmung des Stellvertretenden Generalkommandos in Salzburg zur Aufnahme von Verhandlungen mit dem IKRK zu erhalten.

Auf dieser Basis begannen noch am selben Nachmittag in der Dienststelle des Roten Kreuzes in Bregenz im Gebäude der Länderbank am Kornmarktplatz intensive Gespräche zwischen Konsul Bitz und 2 leitenden Ärzten (Oberstabsarzt Dr. Poschacher und Generalarzt a.D. Dr. Kofler) mit Herrn von Zupan als Dienstellen-leiter des Roten Kreuzes in Bregenz.

Am folgenden Mittwoch, dem 25. April wurden diese Gespräche mit den inzwischen eingetroffenen Herren des IKRK Dr.Bachmann und Dr. Turrikum, Stadtkommandant Obstlt. Reicherter, Regierungsrat Dr. Kröning vom Reichsinnenministerium fortgesetzt mit dem Ziel Bregenz und Feldkirch wegen der vielen Kranken und Verwundeten als „offene Städte“ zu erklären. Schließlich stimmte sogar Obstlt. Reicherter zu, wobei für den folgenden Donnerstag, 26. April vormittags eine weitere Besprechung vereinbart wurde, an der auch teilnahmen Oberfeldarzt Dr. von Lemmen und Gefr. Wetzel aus der Lazarettkanzlei des Oberstabsarztes in Riedenburg.

Der Vorschlag, Bregenz zur „Internationalen Lazarettstadt“ zu erklären musste fallengelassen werden, denn zu einer solchen Erklärung hätten sich beide kriegführenden Parteien verpflichten müssen, was aus Zeitgründen nicht mehr möglich war. Die Herren aus Genf erklärten aber, wenn vom deutschen Kommando bestimmt werde, dass Bregenz „offene Stadt“ sei, würde dies durch das IKRK sofort den Aliierten mitgeteilt werden und das Rote Kreuz könnte für den Schutz der Verwundeten garantieren. Oberfeldarzt v. Lemmen wollte nun mit dem Festungskommandanten General Feurstein in Innsbruck und mit dem Stellvertretenden Generalkommando in Salzburg die Frage der „offenen Stadt“ besprechen.

Noch am gleichen Donnerstag 26. April um 17 Uhr befasste sich auch der Stadtrat von Bregenz mit dem Problem der Verteidigung oder Freigabe der Stadt. In der vom stellvertretenden Bürgermeister von Schwerzenbach einberufenen Sitzung – und in Abwesenheit des Nazi-Bürgermeisters Solhardt – der einstimmige Beschluss gefasst, dass sich der Vizebürgermeister mit zwei Ratsherren zum Kreisamtsleiter Gebhardt und zum Stadtkommandanten Reicherter begeben solle, um sie von der Entschließung der Ratsherren in Kenntnis zu setzen.

Unmittelbar im Anschluss an die Sitzung um 18 Uhr fuhr Ratsherr Major Dr. Tarabochia nach Innsbruck, um am folgenden Tag bei einer Besprechung mit General Feurstein die Bemühungen Dr. von Lemmens möglichst zu unterstützen und auf Feldkirch auszuweiten.

Am Freitag, 27. April hatte Dr. Tarabochia 2 Besprechungen mit General Valentin Feurstein als Befehlshaber für Tirol und Vorarlberg die zuständige Instanz, eine am Vormittag unter 4 Augen und eine zweite um 16 Uhr, gemeinsam mit Oberfeldarzt Dr. von Lemmen. Das Ergebnis: Der General war mit dem Vorschlag, dass Bregenz und Feldkirch „offene Städte“ werden sollten, nach sorgfältiger Prüfung aller Umstände einverstanden, vorbehaltlich der gleichlautenden Stellungnahme des Gauleiters . Gauleiter Hofer war nicht grundsätzlich ablehnend vorbehaltlich der Zustimmung des Befehlshabers der Heeresgruppe C, Generaloberst Vietinghhoff, den General Feustein aus der Besprechung heraus unverzüglich anrief. Vom dortigen Generalstabschef wurde dieAntwort des Generalobersten noch für die Nacht in Aussicht gestellt und tatsächlich um ein Uhr früh in Innsbruck eintraf.

Am Samstag, 28. April, etwa gleichzeitig mit der Nachricht von der Freigabe der Stadt Bregenz, war eben General Schmidt mit seinem Stabe und zwei oder drei Kreisleitern in der Kronhalde eingetroffen und zeigte sich über die Nachricht wenig erfreut.

Bregenz atmete auf. Am Samstag, 28. April, bereits um 7.45 Uhr wurde das Kommando in der Kronhalde durch General Feurstein von der zustimmenden Antwort des Befehlshabers der Heeresgruppe C benachrichtigt worden. Unmittelbar nach dem Eintreffen der endgültigen Antwort aus Innsbruck beauftragte Obstlt. Knoblauch in Namen der Wehrmacht den (zivilen) Landrat Didlaukies mit der Weiterleitung an das Rote Kreuz in Genf. Der Landrat verständigte den Schweizer Konsul Bitz, der sofort nach St. Margarethen fuhr und mit Genf Verbindung aufnahm. Er gab die Meldung telefonisch und telegrafisch an Prof. Burckhardt, den Präsidenten des IKRK, weiter. Im Laufe des Sonntags, 29. April, traf die Nachricht ein, dass die Aliierten den Vorschlag zur Kenntnis genommen hätten und mit ihm einverstanden seien. Da das zuständige französische Kommando inzwischen verlegt worden sei, sodass in der Benachrichtigung der vordersten Linie eine Verzöger-ung hätte eintreten können. Landrat Diedlaukies erhielt die zustimmende Antwort der Aliierten um 20 Uhr durch Herrn von Zupan als Vertreter des Roten Kreuzes in Bregenz.

Erste Anzeichen für eine verhängnisvolle Wendung zeigten sich am Sonntagnachmittag, 29. April. Es gibt Gerüchte, dass Bregenz und Feldkirch doch wieder keine „offenen Städte“ seien. In Lochau ist gegen Abend wieder Militär angekommen und die Leiblachtalbrücke wieder „geladen“. Truppen sind bei der Klause eingetroffen und richten sich auf eine Verteidigung ein. General Schmidt erklärte, sich nicht an die Abmach-ungen zu halten, weil ohne Befragen der Wehrmacht verhandelt worden sei. Bürgermeister – Stellvertreter von Schwerzenbach versuchte Gauleiter Hofer zu erreichen und erhielt aus seiner Kanzlei Bescheid, Kesselring habe entschieden, dass Bregenz verteidigt werde. Alle Einwendungen von Schwerzenbachs, dass zumindest die Gegenseite verständigt werden müsste, da die zustimmende Antwort schon da sei, Kreisleiter Richter war nicht auffindbar, ebenso wenig Bürgermeister Solhardt.

Um 21 Uhr führte Major Tarabochia von der Wohnung des Chefarztes der Riedenburg aus in dessen Anwesenheit ein Ferngespräch mit General Feurstein, um Auskunft über die neue Lage zu erhalten und erhielt die Antwort, er sei abgesetzt worden als Befehlshaber von Vorarlberg und werde morgen abgesetzt als Befehlshaber von Tirol. Dass Tirol und Vorarlberg von der Heeresgruppe C (Süd) abgetrennt und der Heeres-gruppe West zugeteilt worden war, erfuhr „man“ erst später. Nach einem Bericht des Obstlt. Knoblauch habe General Schmidt bereits am Samstag, 28. April nachmittags, die Befehlsgewalt für Tirol und Vorarlberg von Generalfeldmarschall Kesselring erhalten und die Mitteilung, er trete an die Stelle des enthobenen Generals Feurstein. Kesselring habe auch mitgeteilt, sich an die Erklär-ung von Bregenz und Feldkirch zu offenen Städten nicht zu halten. Die Offiziere, die sich dafür eingesetzt hätten, also Feurstein,Knoblauch und Tarabochia, würden entsprechend zur Verantwortung gezogen werden.

Im plötzlichen Kommandowechsel von Vietinghoff auf Kesselring und von Feurstein auf Schmidt liegt der tiefste und betrübendste Grund, dass es überhaupt zur Beschießung von Bregenz kommen konnte. Land-fremde Führer, landfremde Soldaten und die Partei mit Kreisleiter Richter – sie bestimmten den weiteren Ablauf der Dinge.

Noch nach dem Telefonat um 21 Uhr begaben sich Dr. Poschacher und Dr. Tarabochia zu General Schmidt nach Haselstauden, wohin dieser samt Stab von der Kronhalde umgezogen war. Das Vorhaben war, General Schmidt umzustimmen und von der Verteidigung von Bregenz abzubringen. Sein Minimalkompromiss war, die Klause zu verteidigen, nicht aber Bregenz selbst. Auch Obstlt. Knoblauch und Major Tress versuchten neuerlich auf General Schmidt einzuwirken, ohne Ergebnis. Immerhin schien General Schmidt nach dem Gespräch mit Dr. Poschacher und Dr. Tarabochia so verunsichert, dass er um 22 Uhr noch einmal Kesselring anrief. Dieser wollte von den Abmachungen General Feursteins nichts wissen, Bregenz werde verteidigt. Wenn General Schmidt diesen Befehl des Feldmarschalls auf die Verteidigung der Klause einschränkte, so tat er dies auf eigene Faust.

Nachdem nun also die Rückgängigmachung des Befehls nicht zu erreichen war so mussten doch die Aliierten dringend verständigt werden, dass Bregenz nun nicht mehr offene Stadt war und zumindest die Klause ver-tedigt würde, nicht aber die Stadt selbst, auch wenn dies nicht offiziell war. Diese Benachrichtigung drängte, da am Sonntagabend um 20.30 Uhr französische Truppen bei Hohenweiler die damals nicht bestehende österreichische Grenze erreicht hatten. Am Montag, 30.04. um 8 Uhr fuhren die ersten Panzer der I. französi-schen Armee über die Brücke Hohenweiler-Gmünd, wobei auf beiden Seiten je ein Toter zu beklagen war.

Diese Verständigung hat trotz überaus hektischer Bemühungen während der ganzen Nacht von Sonntag auf Montag nicht mehr geklappt. Um Mitternacht suchte Dr. Trabochia Konsul Bitz auf, der augenblicklich mit seinem Mitarbeiter, Herrn Aus der Au, nach St. Margarethen fuhr, dort mit dem Chef der Rotkreuz-Station St.Margarethen, Dr. Mäder vom Territorialkommando der Grenztruppen und Herrn Wilpols der Eidgenössisch-en Fremdenpolizei konferierte. Gegen 2 Uhr morgens verständigte er Genf, dass es mit der Einhaltung des Vertrages nicht stimme, bat aber im letzten Augenblick, diese Mitteilung nicht weiterzugeben, da weder da Konsulat noch das IKRK über militärische Stellungen Auskunft geben könne.

Gleichzeitig suchte „man“ einen Parlamentär ausfindig zu machen, der der heranrückenden Armee die Nach-richt von der geänderten Lage zu übermitteln hätte, denn es schien fraglich, ob die Mitteilung, die man vielleicht noch in letzter Stunde über Genf abgeben könnte, die Kampftruppen noch rechtzeitig über Paris erreichen werde.

Die Person dieses Parlamentärs ergibt sich zwar mit keinem Wort aus dem Schelling-Buch, aber es erscheint aus dem Zusammenhang naheliegend, dass es sich um Herrn Gert Huber gehandelt haben dürfte.

Konsul Bitz kam um 4 Uhr nach Bregenz zurück mit der Mitteilung, er müsse bis 9 Uhr vormittags eine amtliche Klarstellung der Wehrmacht überbringen, jede Minute war kostbar. Dr. Tarabochia, und Landrat Diedlaukies fuhren zu Obstlt. Knoblauch und bemühten sich über den Generalstabschef um einen dringenden Termin beim kommandierenden General Schmidt in Haselstauden. Nach 7 Uhr ergab sich ein heftiges Gespräch, in dessen Verlauf General Schmidt Feldmarschall Kesselring anrief, der sich weigerte eine Mitteilung an das Rote Kreuz über die geänderte Lage herauszugeben und den Befehl wiederholte, die Stellungen an der Klause zu verteidigen. Ein offizieller Auftrag des Befehlshabers der Heeresgruppe, die Aliierten von der neuen Situation zu informieren, war also nicht erreichbar.

Es wurde dann im Auftrag des Generals von Obstlt. Knoblauch, Landrat Diedlaukies und Dr. Tarabochia eine sehr „schwammige“ Erklärung formuliert, die von Major Tarabochia und Landrat Diedlaukies Punkt 9 Uhr Konsul Bitz übergeben wurde mit der Bitte um Weiterleitung nach Genf. Konsul Bitz fuhr sofort nach St. Margarethen, um die Franzosen über das Rote Kreuz zu verständigen. Dr. Tarabochia ersuchte auch den eingetroffenen Vetreter des IKRK, Dr.Meyer, um entsprechende Information der Aliierten.

Im Bereich der Klause, also an der neben dem Seeufer verlaufenden Straße nach Lochau und in Lochau selbst, waren zur Verteidigung folgende Anlagen bzw. Geschütze vorhanden:

  1. in der Straße waren 2 „Panzersperren“, eine bei „Gravenreuth “ (unterhalb der Villa Sannwald) und eine an der Klause. Darunter verstand man einen 5 m hohen „Fallkörper“ aus Beton und 2 mal 2 m im Querschnitt mit Sprengladungen. Bei Gravenreuth handelte es sich um 2 derartiger Klötze über die Straße und 1 Klotz über die Bahngeleise, an der Klause scheint nur 1 Klotz die Straße blockiert zu haben.
  2. Betonbunker zur Sicherung der Ruggbachbrücke beim Salvatorkolleg mit diversen unterirdischen Schützenstellungen im gesamten Bereich von Lochau und Hörbranz.
  3. 8,8-cm Kanone am „Langen Stein“, sowie das 2. große Geschütz bei Hehle am Stein sowie diverse kleinere Geschütze und zahlreiche Machinengewehrstellungen beim „Wellenhof“ und am gesamten Pfänderrücken.

Ganz besondere Leistungen für eine Einstellung der Verteidigung erbrachten Hauptmann Lichtenturn im Strandhotel und Stabsfeldwebel Franz Kopf in Schloß Hofen in der Nacht von Sonntag auf Montag um die deutsche Abwehr möglichst auszuschalten. Die beiden wirkten unbeirrt und furchtlos gegenüber Todes-drohungen und Einschüchterungen – teilweise mit Unterstützung von Schnaps – auf Offiziere und Mannschaften ein und ruhten nicht, bis die Deckungen wieder zugeworfen und soweit möglich mit Rasenstücken bedeckt worden waren, damit nicht etwa Flieger ein falsches Bild bekämen.

Fabrikant Gert Huber war der erste, der sich in direkter Fühlungnahme und erheblicher eigener Gefahr für die Stadt Bregenz verwendete. Zwischen 12 und 13 Uhr, also knapp bevor die Betonklötze umgelegt wurden, passierte er die von Posten bewachte Klause. Da während des ganzen Vormittags jeder Verkehr nach Lochau gesperrt war und das Militär die Zivilisten zurückwies, mussten die Posten den Wagen Hubers für einen militärischen Dienstwagen angesehen haben, zumal er in höchster Geschwindigkeit durch die Klause fuhr. Die Geschützbedienung am „Langen Stein“ machte erstaunte Gesichter, dass bei dieser Situation noch ein Wagen mit Vollgas nach Lochau fuhr, schoss aber nicht.

Bei der Säge Frener hörte Gert Huber schon das Geräusch der Panzer, fuhr jetzt so rasch er nur konnte, den unteren Weg gegen Hörbranz zu seiner Fabrik, wo er die Hissung der weißen Fahnen veranlasste, worauf auch der Kirchturm und die ganze Gemeinde weiß beflaggte. Gert Huber lief mit dem Gemeindesekretär Sigg dem oberen Ortsende zu. Schon hörten sie Schüsse in Lochau. Beim Berger Kreuz hielt Huber einen französischen Wagen an – es war ungefähr 14 Uhr -, in dem ein Offizier und ein Soldat saßen und verlangte, zum Komman-danten geführt zu werden, da er eine wichtige Meldung hätte. Der Oberleutnant nahm jetzt einem Motorrad-fahrer sein Rad ab und fuhr mit Huber zu den vordersten Linien vor. Inzwischen wurde die Kolonne von der Pfänderlehne her mit Maschinengewehren beschossen, die Franzosen erwiderten das Feuer aus allen Rohren. In scharfer Fahrt kam Fabrikant Huber zum Kommandowagen, der auf der Strasse zwischen Gutshof Rupp und Brauerei Reiner angehalten hatte. Hier übergab er noch einmal formell Hörbranz und intervenierte im Auftrag der Widerstandsbewegung für die Stadt.

Bald nach 13 Uhr begannen in Lochau die Kampfhandlungen, nach zweieinhalb Stunden war der Widerstrand gebrochen. Der Wellenhof hatte 4 schwere Treffer, in der chemischen Fabrik Deuring war ein großer Brand entstanden. Durch Brückensprengungen und Artilleriebeschuss entstanden große Schäden an vielen Häusern. Auf deutscher Seite waren 9 Wehrmachtsangehörige zu beklagen sowie 3 Zivilisten, auf der französischen Seite 3 Tote und mehrere Schwerverletzte, die in 2 provisorischen Lazaretten, eines davon im Gasthaus Reiner, erstversorgt wurden.

Die französische Kommandostelle wurde im Gasthaus Meßmer eingerichtet, Kommandant war ein Major namens Viotte. Zu der Besprechung mit Gert Huber war auch ein Oberst dazu gestoßen, den Gert Huber über die Befestigungen an der Klause, die Beschaffenheit des Geländes und die mutmaßliche Besetzung der Stellungen informierte. Er gab an, dass die Linie vom Rhombergstein bis zum See von höchstens 200 Mann Gehalten werde, ohne dass indes jemand in der Lage wäre, darüber verlässlich genaue Angaben zu machen; die Soldaten seien zwar gut bewaffnet, aber ohne Kampfgeist. Auf Grund dieser Schilderung gab der Oberst die Überlegungen auf, mit Panzern über den Berghang in die Stadt zu gelangen oder durch Einsatz von Infanterie die Stadt vom Berg her zu nehmen.

An diesem Montagvormittag trafen die über Ersuchen von Konsul Bitz vier Delegierten des IKRK in Bregenz ein, vier Ärzte zur Betreuung der Lazarette für die Zeit der Beschießung von Bregenz. Drei von Ihnen, Dr. Richter, Dr. Igle und Dr. Burckhardt wurden gleich in die Lazarette Riedenburg, Marienberg, Gallusstift und Ober- schule sowie Mehrerau gebracht. Inzwischen war es Nachmittag geworden und die Stadt wurde bereits beschossen. Der 4. Delegierte, der kaum dreißigjährige Dr. H.E.A. Meyer, unternahm es zum französischen Kommandanten hinüberzufahren, um für die Lazarette und die Stadt Schonung zu erwirken.

Zu diesem Unternehmen lud er auch Oberstabsarzt Dr. Poschacher ein, der ohne Zögern zusagte. Dr. Meyer hatte schon in Konstanz eine ähnliche Aufgabe mit Erfolg bewältigt. An der Bregenzer Klause bot er dem diensthabenden Hauptmann den Schutz des Roten Kreuzes an, wenn er auf die Sprengung bzw. Umlegung der Betontürme verzichten würde. Der Hauptmann wagte jedoch nicht, gegen den Befehl zu handeln (Bericht von Gert Huber, der die ganze Nacht von Montag auf Dienstag im Meßmer verbrachte und sich länger mit Dr. Meyer unterhalten konnte).

Um 17 Uhr fuhren Dr. Meyer und Dr. Poschacher mit dem Wagen des Roten Kreuzes bis zum Gasthof „Seehof“. Die Straßen waren leer. Die Kaserne hatte schon Einschläge. Da von den deutschen Truppen die Sperrblöcke an der Klause durch Sprengladungen umgelegt worden waren und quer über die Straße lagen, gingen Dr. Meyer und Dr. Poschacher zu Fuß bis zur ersten Sperre (bei Gravenreuth). Dr. Meyer hatte die Rote-Kreuz-Fahne entrollt und winkte. Bei der ersten Sperre rührte sich nichts, desgleichen auch nichts bei der zweiten (an der Klause). Während all dem hörte man regelmäßig Einschläge in Bregenz. Hinter dem Langen Stein gegen das Strandhotel zu sah man wieder Leute auf der Straße. Kein Mensch kümmerte sich um die beiden Parlamentäre.

Das Reservelazarett Lochau in der Reichsfinanzschule (ehemals Strandhotel) war von den Franzosen bereits übernommen und sehr anständig behandelt worden. Mit dem Leiter dieses Lazarettes fuhren Dr. Meyer und Dr. Poschacher zum Kommando der Franzosen im Gasthof Meßmer. Sie wurden sofort zu Major Viotte vorgelassen, bei dem sie mit Rücksicht auf die 3000 Patienten um Schonung der Stadt ersuchten. Durch Funkspruch wurde sofort das Brigadekommando in Kenntnis gesetzt. Der Kommandant sagte dann noch, der General be-dauere es, österreichische Städte beschießen zu müssen. Die Offiziere waren zurückhaltend, aber sehr höflich.

Ein französischer Leutnant brachte dann die beiden Herren nach Opfenbach bei Wangen, wo sie in ein großes Gasthaus geführt und vom französischen Oberst Lecoq, einer eindrucksvollen Persönlichkeit, empfangen wurden. Die beiden Parlamentäre unterhielten sich mit ihm in französischer Sprache. Zuerst berichtete Dr. Meyer als Vertreter des Roten Kreuzes, dann Dr. Poschacher, der auf die große Zahl der Verwundeten hinwies. Der Oberst zeigte sich höflich-korrekt, schaute sie lange wortlos an und sagte dann: „Wenn ich 10 Minuten vor  3 Uhr früh erfahre, dass die Sperre an der Klause gesprengt ist, sodass ich durchfahren kann, dann werde ich die Stadt schonen, sonst erfolgt um 3 Uhr 2 Minuten ein schweres Bombardement durch Artillerie und Flieger“. Zum Schluss machte er ein Kompliment: „Ich misstraue den Deutschen, aber ich vertraue den Männern der Wissenschaft“.

Tief beeindruckt, aber fest entschlossen alles zu tun, um die Stadt zu retten, fuhren Dr. Meyer und Dr.Poschacher nach Lochau zurück. Dort hörten sie im französischen Quartier, dass der Kommandant bereits die Lage der Lazarette in Bregenz festgestellt habe, sodass damit zu rechnen sei, dass diese geschont würden. Es war 23 Uhr 30, als sie in Lochau ankamen.

Nach einiger Zeit konnten sie nach Bregenz weiter. Voraus fuhr langsam ein französischer Panzer und knapp hinter ihm der Opelwagen, geführt von einem französischen Leutnant, mit Dr. Meyer und Dr. Poschacher. Sie fuhren ohne Licht. Vom Pfänder hörte man dauernd den Widerhall der Artillerieeinschläge. Bei der Klause stellten die Franzosen fest, dass diese Sperre von den Deutschen nicht besetzt sei. Der französische Leutnant versprach: „Zehn Minuten vor 3 Uhr bin ich wieder hier, Sie können dann unbesorgt wieder zu mir herüber-gehen. Dr. Meyer und Dr. Poschacher verabschiedeten sich und gingen durch die Sperre. Sie entrollten die Fahne des Roten Kreuzes und riefen immer wieder: „Hier kommt das Rote Kreuz“. Bald nach Passieren der ebenfalls nicht bewachten 2. Sperre stießen sie auf vorgehende deutsche Infanterie. Das war ein schlechtes Zeichen, sie konnten aber den diensthabenden Leutnant nicht zur Aufgabe bewegen.

Obwohl es absolut undenkbar schien in der verbleibenden Zeit von rund 3 Stunden bis zum Ablauf des Ultimatums militärische oder zivile Dienststellen zu erreichen, die die erforderlichen Anordnungen hätten treffen können, geschweige denn, diese auch umzusetzen.

Dennoch fand Dr. Poschacher mit Mühe überhaupt ein Telefon und führte zahllose nicht erfolgreiche Telefonate. Desgleichen führte Bürgermeister-Stellver-treter von Schwerzenbach von seiner provisorischen Befehlsstelle im Stollen am Brand ebenso zahllose Telefonate, etwa mit dem Ratsherren Reiner aus Lochau, ebenfalls mit dem Stabsarzt des Lazarettes im Strandhotel Lochau sowie mit dem Chefarzt Stabsarzt Dr. Reinmayr des Lazarettes in Schloss Hofen mit dem Anliegen, die französischen Kommandostellen über seine Bereitschaft zur Übergabe der Stadt zu informieren. Dabei wies von Schwerzenbach auch auf die Dringlichkeit hin, bei den militärischen Stellen, also dem Wehr-bezirkskommando bzw. beim Stadtkommandanten die Räumung der Stellungen vor der Stadt, insbesondere bei der Klause, zu erzwingen.

Bregenz bot damals ein grauenhaftes Bild des militärischen Durcheinanders, weil der Kampfkommandant Obstlt. Reicherter am Montagnachmittag die Stadt verlassen hatte. Das Festungskommando war auch nicht mehr in der Kronhalde und der General saß in Klaus. Doch wer wusste das? Auch Major Tress war offenbar nicht mehr in Kennelbach-Herzenmoos, da er tatsächlich bereits 12 Stunden früher, nämlich am Montagnachmittag zwischen 2 und 3 Uhr aufgebrochen war, nachdem1 Stunde vorher der größere Teil seiner Kraftfahrtruppe Adieu gesagt hatte.

Eine halbe Stunde vor Ablauf des Ultimatums eilt Dr. Poschacher im Laufschritt bis zur Kaserne, dann im Schritt bis zur ersten Sperre, ganz allein. Auf der Straße waren deutsche Soldaten, bei der ersten Sperre trifft auch Dr. Meyer ein. Um 8 Minuten vor 3 Uhr gehen Dr. Poschacher und Dr. Meyer durch die Sperren und teilen dem französischen Leutnant mit, dass bei der Kürze der Zeit nichts zu erreichen gewesen sei. Die beiden bleiben zunächst im französischen Quartier und versuchen ein letztes Mal die Lage zu retten, mit Bregenz blieb Dr. Poschacherr bis 6 Uhr früh immer noch in telefonischer Verbindung.

Nachdem in den frühen Abendstunden des Montags (30. April) verschiedentlich Häuser in Bregenz aus Richt-ung Lindau beschossen worden waren setzte dann um 20.15 Uhr die erste heftige Beschießung mit Artillerie ein. Am Dienstag, 1. Mai, 5 Uhr früh überflogen Aufklärer Bregenz, worauf eine knappe Stunde später neuerdings Artilleriefeuer aus Lindau und Hörbranz auf die Stadt niederprasselte. Tiefflieger strichen in unzähligen Wellen über die Häuser hinweg, und als um 9 Uhr die Stadt mit Brandgeschossen heimgesucht wurde, sanken viele Gebäude in Asche. Die untere Stadt war in Rauch gehüllt.

Den ganzen Vormittag bereiteten die Franzosen unablässig die Beseitigung beider Straßensperren vor (nach Dr. Poschacher). Als noch vor Mittag die Deutschen mit der Sprengung der Bregenzerachbrücken begannen, konnten die französischen Beobachter wissen, dass das deutsche Militär Bregenz geräumt habe.

Am Dienstag, 1. Mai gegen 12,30 Uhr ist französische Infanterie auf getrennten Wegen in Bregenz eingedrungen. Drei beherzte Bregenzer, nämlich Professor Dr. Paul Pirker als Sprachkundiger, der jüngere Alois Boss von der Weißenreuthe sowie Emil Dietrich als Wegkundige führten die französischen Soldaten sicher und ohne Feindberührung nach Bregenz, wo bei deren Eintreffen gegen Mittag die Beschießung bereits eingestellt war, dies wohl hauptsächlich auf direktes Ersuchen von Dr. Pirker bei Major Viotte.

An der Klause forderten die Franzosen dass der Bürgermeister komme. Da der Nazi-Bürgermeister Solhardt schon seit Tagen unauffindbar war, begab sich der stellvertretende Bürgermeister von Schwerzenbach zur Klause, von wo er von einem französischen Offizier nach Lochau (Meßmer?) gebracht wurde , wo er die Stadt dem kommandierenden Major Viotte übergab.

An der Klause fuhren nun die Panzer auf und stellten sich in Rudeln zusammen bis die Straße endgültig geräumt und die durch die Sprengungen entstandenen Löcher aufgefüllt waren. Vom Pfänderweg herunter waren noch vereinzelte Schüsse zu hören.

Um 14 Uhr rollten die Panzer der I. französischen Armee über die Reichsstraße in die brennende Stadt ein. Viele weiße Fahnen waren zu sehen und immer zahlreicher auch wieder die rot-weiß-roten.

Vizebürgermeister von Schwerzenbach, Fabrikant Gert Huber, Dr. Poschacher und Dr. Meyer fuhren über Veranlassung von Major Viotte mitten in der Panzerreihe in die Stadt zurück. Von Schwerzenbach begab sich ins Rathaus, wo er die ersten Weisungen eines französischen Offiziers entgegennahm. Dort blieb er bis gegen Abend. Dann wurde er durch den General vom Dienst enthoben, der ihn für die Beschießung verantwortlich machen wollte.

Der General hatte sich im Hotel „Weißes Kreuz“ niedergelassen. Er erkundigte sich bei Gert Huber nach einem angesehenen Mann in der Stadt, der ein allseitiges Vertrauen genieße, denn er brauche einen Bürgermeister für Bregenz. Gert Huber nannte Dr. Rösler, er dann sofort abgeholt wurde. Im Hotel wurde Dr. Rösler von Oberst Lecoq begrüßt, der ihn im Namen des Generals zum Bürgermeister ernannte.

Dr. Rösler erbat sich eine Bedenkzeit aus. Er wollte seine zahlreichen Patienten nicht im Stich lassen und glaubte, nicht über die augenblicklich erforderlichen Wirtschafts- ,Rechts- und Sprachkenntnisse zu verfügen. Am nächsten Tag meldete er dem Oberst, dass er ablehnen müsse und schlug Zahnarzt Dr. Stefan Kohler vor, der dann in schwierigsten Wochen Arbeitskraft und Gesundheit dem Wohl der Stadt opferte.

Durch die erwähnten Kommandowechsel und die absolut chaotischen Zustände sowohl bei der Wehrmacht als auch im zivilen Bereich konnte zwar trotz des übermenschlichen Einsatzes vieler Zivilisten und Offiziere (hier vor allem auch der Ärzte) zwar die Beschießung und weitgehende Vernichtung der Stadt Bregenz nicht verhindert werden, aber den französischen Besatzungstruppen, welche Personen und Institutionen hier mit Besonnenheit , Charakterstärke und Mut für eine friedliche Übernahme gekämpft haben.

Nach der intensiven Lektüre des lesenswerten Buches möchte ich folgende Namen und Institutionen besonders herausgreifen, ohne dass dies eine Reihung bedeuten soll. Der Schweizer Konsul Bitz, das IKRK mit allen Ärzten, vor allem Dr. Meyer, Dr. Tarabochia und General Feurstein, Dr. Poschacher und allen Lazarett- Ärzten, Vizebürgermeister von Schwerzenbach, den drei Pfad-findern Dr. Pirker, Alois Boss und Emil Dietrich.

Herausragend scheint mir Gert Huber, er genießt das Vertrauen beider Fraktionen der Widerstandsbe-wegung, rast Minuten vor der Sprengung nach Lochau und Hörbranz, sucht und findet das französische Kommando, übergibt Hörbranz und fungiert als Parlamentär. Er genießt hohe Akzeptanz bei höchsten Offizieren, nicht zuletzt wohl auf Grund seiner Sprachkenntnisse, der General wünscht seinen Rat für die Person des Bregenzer Bürgermeisters.

Gert Huber, geboren am 09.02.1899 war Sasse in Caatrum Brigantium. Nach der Stammrolle a. U. 104/105 (1963/1964) ist er a.U. 66 (1925), also im Alter von 26 Jahren eingetreten (im April 1945 war er also 46 Jahre alt). In der Stammrolle a. U. 116/117 (1975/1976) ist er unter ErbW i.R. Gerd der Sonnenstürmer letztmalig eingetragen mit vielen Titeln wie etwa „Para-Graf des h.R. Washingtonia (197) und Kazike der La-Plata-Stromer d.h.R. Bonaerensis (261). Von CB war er etwa „wirklicher Burgbauherr unserer Bodanburg mit der eisernen Hand“, Großordensmeister des Reychsigelordens, ErbO und ER 153. ErbW i.R. Gerd hat also offenbar in frühen Jahren die USA und Südamerika besucht und sprach vermutlich auch englisch, möglicherweise sogar spanisch oder portugiesisch.

Irgendwann in der Winterung 117/118 nach 51 Jahren als Sasse, mit vielen Meriten und im 77. Lebensjahr ist er ausgetreten. Ich erinnere mich noch gut, da ich in dieser Sippung anwesend war. Es ging damals um den Intimfeind OoP Amourl, Rt. Gert hat wutentbrannt von der Rostra aus seinen Austritt verkündet. Am Thron fungierte OÄ und Amourl-Patenkind Du-Schurl, der ebenso heftig erklärte, der Austritt müsse schriftlich erklärt werden, worauf Rt. Gert auf einem Bestellzettel seinen Austritt erklärte und stantepede die Burg verließ. Die Sassenschaft befand sich minutenlang in Schockstarre.

Lindau war von den vom IKRK entsandten Ärzten ebenfalls überprüft worden, die festgestellt hatten, dass in Lindau praktisch nur Lazarette waren, weshalb Lindau beim Einmarsch der Franzosen tatsächlich auch nicht beschossen wurde. Der Hauptinitiator, dass Lindau rechtzeitig die Garnison los und als Lazarettstadt aner-kannt wurde war der aus Dornbirn stammende, aber in Lindau ansässige Jörg Rhomberg, der das Hotel „Lindauer Hof“ besaß.

Auch Jörg Rhomberg war Schlaraffe. Er ist a. U. 6O in Castrum Brigantium eingetreten, wurde zum Ritter Nordwalt vom Rauhenberg geschlagen, und war bei Gründung der Insulinde als Ez und auch mit diesem Titel „ Gründer des Reyches“, lange Jahre deren OÄ mit diversen Tituls, ua. Graf von Aspermont, ER 168, 207. Vermutlich ein nicht allzu ferner Verwandter.

Castrum Brigantium, 31.03. a. U. 158

Rt ASPERMONT von SOLL und HABEN