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vorgetragen am 29. im Christmond a.U. 128

Gehst Du durch Dein heimatstädtchen,
Tu, als wär’s das erste Mal,
Dreh’ Dich um nach hübschen Mädchen,
Die so stolz, wie überall,
Dreh’ Dich um auch nach der Linde
Vor dem still verträumten Haus,
Nach dem Greise, nach dem Kinde,
Die dort gehen ein und aus.

Sieh den Brunnen auf dem Markte,
Dieses Leben auf dem Platz,
Wo dein Wagen heute parkte,
Sieh die Taube, sieh den Spatz.
Dieser Giebel, dieser Winkel
Lebt und ist nicht nur aus Stein,
Dieses Schloß mit seinem Dünkel
Lädt zum Innehalten ein.

Dreh dich um nach alten Mauern,
Sieh auch die moderne Zeit;
Wird sie bleiben, überdauern,
Wenn das Morgen wird zum Heut’,
Wie die alten, morschen Zäune
Vor gepflegtem Blumenbeet?
Sieh die Dächer, sieh die Scheune,
Sieh den Hahn, wie er sich dreht.

Störe nicht die Liebespärchen
Auf der Bank, die deine war
In den Stunden, wie im Märchen,
Oh, wie duftete ihr Haar!
Und vergiß nicht, die zu grüßen,
Denen du bekannt, vertraut,
Die dir Heimat werden ließen,
Was um dich herum erbaut.
Tritt auch ein in die Kapelle
Voller Andacht, ganz allein.
Horche an geweihter Stelle
Auch einmal in dich hinein;
Sprich dort ruhig, ohne Schranken,
Dich mit deinem Herrgott aus
Und vergiß nicht, ihm zu danken,
daß du hier, nur hier, zu Haus’!

Wenn dann gar noch Silberglocken
Läuten ein die Weihnachtszeit,
Kinderstimmen hell frohlocken,
Weil so brav das Christkind heut’,
Dreh dich um nach jenen Seelen
Außerhalb vom Lichterschein,
Die sich heut’ besonders quälen,
Weil sie einsam sind, allein!

Zur Weihnachtsfeyer
am 29ten des Christmonds
anno Uhui 128

Reimerl