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Das schlaraffische Liedergut

im Wandel der Zeit

Ritterarbeit

vorgetragen von Junker Gerhard am 24. im Eismond a.U. 129

Wenn wir Schlaraffenspiegel und Ceremoniale studieren, finden wir eigentlich wenig Hinweise auf das schlaraffische Liedergut. Es heißt zwar ein „Eröffnungslied“ oder ein Schlußlied, es heißt auch bei der Bestellung der gewählten Oberschlaraffen ein „entsprechendes Lied“, aber es wird nur zwei Mal ausdrücklich, und zwar bei der Gründungsfeier und bei der Sanktionsfeier, verlangt, daß das Lied „Lulu Praga“ gesungen wird.

Das ließe an sich darauf schließen, daß es ohne weiteres möglich wäre, bei Sippungen etwa „Alle meine Entlein“ oder „Am Brunnen vor dem Tore“ zu singen.

Das ist aber in der Tat nicht so, denn das schlaraffische Lied ist so alt, wie Schlaraffia selbst. Einer ihrer Gründer, der große GRAF GLEICHEN, überraschte und begeisterte schon von Anfang an mit neuen, von ihm gedichteten und teilweise komponierten Gesängen seine Urschlaraffen. Ihm taten es andere kunstbegnadete Schlaraffen nach, und damit war der feste Grund für den schlaraffischen Liedschatz gelegt.

Das älteste Liederbuch erschien bereits a.U. 4 zu Praga unter dem Titel „Schlaraffen-Klänge 2.000. veruhu-, oho- und ahate Ausgabe“. Es wurde von GRAF GLEICHEN herausgegeben und dafür wurde er zum „GRAF GLEICHEN ohnegleichen“, zum „Schlaraffendichter“ sowie zum „Liederkönig“ erkürt.

Als a.U. 22 das Reych mit der Nummer 35, die Olomucia, gegründet wurde, gab es noch kein anderes Liederbuch und man musste Liedertexte und Clavicimbelbegleitungen bei den einzelnen Reychen zusammenbetteln. Das erschien dem Ritter QUELL der Gemälzte als ein unhaltbarer Zustand. Er machte sich daher kurzerhand an die Arbeit und veranlasste den Ritter PAPIRUS der Zahme, einen profanen Druckereibesitzer, für das Reych ein Liederbuch zu drucken; die Kosten würden sich durch den Verkauf von einigen hundert Stück leicht hereinbringen lassen. Und so erschien a.U. 24 das Werk „Schlaraffischer Liederkranz, editiert und gesichtet von der Olomucia Rittern PAPIRUS der Zahme, Oberschlaraffe, und QUELL der Gemälzte, Kantzler“. Die Voraussetzung der Kostendeckung erwies sich als richtig, denn der ersten Auflage – 111 Gesänge enthaltend – konnte schon a.U. 27 eine zweite Auflage folgen, die – um 50 Lieder erweitert – wiederum sehr begehrt war.

Aber dieses Liederbuch schien schon bald nicht mehr den Anforderungen zu entsprechen, denn im Eismond a.U. 31 erließen die Ritter QUELL (Olomucia1) und PARSIFAL (Prostana2) einen Aufruf, um den tatsächlich dringenden Bedürfnis nach einer Clavicimbelpartitur aller schlaraffischen Lieder abzuhelfen. Da auch dieses Unternehmen nicht auf Gewinn berechnet sei, sondern ausschließlich der schlaraffischen Sache dienen sollte, mussten sich die Reyche verpflichten, mindestens ein Stück gebunden zum Preis von 18 bis 20 Mark zu beziehen. Diese Bemühungen wurden jedoch anfänglich nicht so unterstützt, wie sie es verdienten, aber die Vorarbeiten gingen dann doch rasch voran, sodaß im Christmond dieser Jahrung das Erscheinen der Clavicimbelausgabe verkündet werden konnte.

Im Lenzmond a.U. 32 konnte das neue Liederbuch erscheinen. Es trug den Titel „Derer Schlaraffen Lieder, gesichtet und editiert unter Mitwirkung des Ritters QUELL der Gemälzte (Olomucia) und PARSIFAL mit dem Kochlöffel (Prostana)“. Dieses Gesangbuch enthielt ca. 300 Lieder und umfasste zwei Bände.

Mit der Herausgabe dieses Werkes haben sich die Ritter QUELL und PARSIFAL unvergängliche Verdienste um Allschlaraffia erworben.

Auf dem XI. Concil zu Juvavia a.U. 70 stellte das Reych Stuttgardia den Antrag, ein neues Liederbuch herzustellen, weil das jetzige in seiner Form den heutigen Anforderungen nicht mehr entspreche. Die profanen Vertonungen seien auszuschalten, eine strenge Musterung unter den alten Liedern zu halten und eine Auswahl aus neuen zu treffen. Ein Ausschuss von Sachverständigen sollte über die Frage der Streichungen und Neuaufnahmen entscheiden. Dieser Antrag wurde angenommen und ein Ausschuß, bestehend aus Dichtern, Komponisten und Laien gebildet.

Bei der geistigen Regsamkeit der Schlaraffen auf allen Gebieten war es deshalb nicht verwunderlich, daß sich eine Auswahl von 300 neuen Liedern zu 300 alten gesellte. Es war eine unerhört schwierige und verantwortungs-volle Aufgabe, auszuwählen, bis die heute vorliegende Sammlung entstand.

Am 1. des Lethemondes a.U. 74 wurde die erste Ausgabe dieses Werkes ausgeliefert. Inzwischen wurde es mehrfach neu aufgelegt und heute hat die Ausgabe a.U. 115/116 Gültigkeit.

„Derer Schlaraffen Lieder“ enthält heute 124 ausgesuchte Gesänge, von denen noch einige von dem bereits erwähnten Graf GLEICHEN aus der Anfangszeit Schlaraffias stammen.

Wenn wir allerdings genau prüfen, wie viele von diesen Liedern auch tatsächlich gesungen werden, muß man feststellen, daß man sie mit allen zehn Fingern leicht zählen kann. Das ist meiner Meinung nach sehr schade, denn man findet in dem Liederbuch eine Großzahl von Kompositionen, die es durchaus wert wären, gesungen zu werden.

Ich möchte daher den etwas ketzerischen Vorschlag machen, nach jeder Schlaraffiade eine viertel Stunde lang neue Schlaraffenlieder zu lernen. Auf diese Weise wäre es sicher möglich, innerhalb einer Jahrung den Liederschatz von Castrum Brigantium beträchtlich zu erweitern und damit auch ein Signal für andere Reyche zu setzen.

Abschließend sei vermerkt, daß es sich bei den schlaraffischen Liedern um ein köstliches Gut Allschlaraffias handelt und darum ist unbedingt eifrig darüber zu wachen, daß dieses voll und ganz gewahrt bleibt.

LULU!

1 Reych 35: OLMÜTZ, Tschechien
2 Reych 66: PROßNITZ, Tschechien